Kritische Anmerkungen zum WDR-Beitrag „Windkraft: Fluch oder Segen?“ vom 9.9.2020

Von Prof. Dr. Mathys

Erst beim genauen Hinsehen fällt bei diesem Beitrag die völlig kritiklose Befürwortung der Windenergie auf. Dieser Film hat in meinen Augen eine verheerende Außenwirkung. Zum einem wird mantramäßig die Windenergie als unverzichtbare Säule der Energiewende hingestellt – im Gegensatz z. B. zum letzten Gutachten des Fraunhofer Instituts.

Da müssen eben für die Rettung des Planeten Opfer gebracht werden. Diese Einstellung zieht sich durch den ganzen Film. Dann: Die Windindustrie tut ja alles, um Naturschutz und Umweltschutz zu gewährleisten – und Umweltschutz darf Klimaschutz nicht beeinträchtigen, das höhere Gut schlägt das weniger hohe. Der wirkliche Natur- und Umweltschutz wird durch die Windenergie erbracht. Auch der NABU knickt da schon ein, denn es gibt doch die innovativen Vogelerkennungssysteme. Zum Tenor gehört auch der immer wieder propagandamäßig angeführte abstruse, aber für den Laien nicht sofort als unsinnig erkennbare Vergleich mit den nirgendwo belegten Todesraten von Vögeln bei Kollisionen mit Autos und Hochhäusern etc. Windindustrie, besonders Herr Lackmann, kommen hier sehr sympathisch, umweltbewusst und als Weltretter rüber, die durch Behörden und Naturschutzverbände völlig unverständlich und zu Unrecht und zu Lasten des Klimaschutzes gequält werden. Dann: der Vergleich der beiden Dörfer Lichtenau und Borchen, der mich an eine schon etwas ältere Fernseh-Werbung von Fairy Ultra erinnert: Villa Riba und Villa Bacho. Lichtenau, die fortschrittliche Kommune mit einem sympathischen, humorigen und engagierten Bürgermeister, die ihre Bürger mitnimmt, die beweist, dass Akzeptanz durchaus käuflich ist und man mit den Rädern doch gut leben kann, wenn man da irgendwie beteiligt wird. Und eigentlich sind Windräder doch schön und alle sind glücklich… Auf der anderen Seite Borchen mit Bürgermeister Allerdissen, der als erstes die unumgängliche Notwendigkeit von Windrädern betont. Er macht – oder man hat es so geschnitten – eine recht unglückliche und wenig überzeugende Figur. Ja, Borchen, rückständig und hinterwäldlerisch, von einigen älteren Sonderlingen bewohnt, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben und sich beim Anblick von Windrädern „unwohl“ fühlen und nicht bereit sind, für das „große Ziel“ persönliche Opfer zu bringen – Nimbys eben. Im Nebensatz einer interviewten Grünen MdL wird noch das Münsterland mit seiner besonderen Wohnstruktur (Streusiedlungen) erwähnt, die keine Abstandsregel zulässt. Der Ausbau der Windkraft geht eben über alles. Grundsätzliche Kritik findet an keiner Stelle statt, Probleme sind ausschließlich lokal und lösbar. Akzeptanz kann man kaufen. Zum x-ten Male wird auch die beliebte Falschaussage wiederholt, WEA könnten tausende von Haushalten mit Strom versorgen. Auch das Märchen von der lokalen Wertschöpfung bleibt nicht unerwähnt. Kein Wort davon, dass diese nur durch Subventionen, die alle Bürger bezahlen müssen, erfolgt und keineswegs durch Unternehmensgewinne, wie dargestellt. Hinter der Fassade des objektiven Für und Wider, die dieser Film vorgaukelt, steckt ein klares und unmissverständliches „Für – um jeden Preis“. Das Ganze wird sehr unterschwellig dargestellt und fällt Vielen erst beim zweiten Ansehen auf. Interessant wäre es, die Wirkung auf jemanden zu testen, der mit dem Thema noch nicht vertraut ist.

Prof. Dr. Werner Mathys

Greven, 10.09.2020
www.gegenwind-greven.de

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Als Nachtrag zu dieser treffenden Kritik von Prof. Dr. Mathys sei die ergänzende Bemerkung von Norbert Große Hündfeld angefügt, dass der Windkraftausbau im Außenbereich im Widerspruch zu Artikel 20a des Grundgesetzes steht. Selbst wenn Windkraft ökonomisch sinnvoll wäre, wäre die durch sie verursachte und von Prof. Dr. Mathys deutlich ins Licht gestellte Verschlechterung des Zustands der Umwelt nicht mit unserem Grundgesetz vereinbar. Diese Propagandasendung des WDR ist verfassungsfeindlich.

Veröffentlicht von Artikel 20 a GG

Rechtsanwalt, Notar a. D. und Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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